SSC Neapel – Wie Phönix aus der Asche

SSC Neapel – Wie Phönix aus der Asche

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Gerade erst hat sich der SSC Neapel gegen OGC Nizza einen Platz in der Gruppenphase der Champions League gesichert. Damit sind die Azzurri zum neunten Mal innerhalb der letzten zehn Jahre international vertreten. Zudem haben sie sich seit der Saison 10/11 dauerhaft unter den Top 5 der Serie A etabliert. Wir haben uns die Wiederauferstehung des Klubs aus Süd-Italien näher angeschaut.

Das alles ist nämlich keineswegs selbstverständlich. Der Klub, der anstrebt, Juventus Turin die Vorherrschaft in Italien streitig zu machen, hat nach einem Konkurs zu Beginn des Jahrtausends in der Stadt nahe dem Vesuv einen Wiederaufstieg wie Phönix aus der Asche hingelegt.

Die glorreichen 80er und der turbulente Niedergang

Beginnen wir aber mit den Erfolgen Neapels Ende der 80er. Damals führte kein Geringerer als der große Diego Maradona die Azzurri zu zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und einem Triumph im UEFA-Pokal. Gemeinsam mit Bruno Giordano und dem Brasilianer Careca bildete er die berüchtigte La MaGiCa-Angriffsreihe, die gegnerische Abwehrspieler in Angst und Schrecken versetzte.

Was nach den Erfolgen geschah, war allerdings ganz und gar nicht glorreich. Maradona wurde bei einer Dopingkontrolle des Kokainkonsums überführt, woraufhin der Verein seinen Vertrag auflöste. Der Klub selbst häufte einen erdrückenden Schuldenberg an, der nach zwei Abstiegen in die Serie B auf bis zu siebzig Millionen Euro angewachsen war und so 2004 zum Lizenzentzug und zur Insolvenz führte. Wer weiß, ob heute überhaupt noch jemand über den SSC Neapel sprechen würde, wenn sich nicht ein gewisser Aurelio De Laurentiis erbarmt und sich des Klubs angenommen hätte.

Neubeginn und geduldiger Wiederaufbau

Der italienische Filmproduzent rettete den Verein durch eine Zahlung von 29 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter. Er wurde Präsident und trat mit den Azzurri den Neustart in der Serie C an. Dabei hatte De Laurentiis klare Vorstellungen für den Wiederaufbau des SSC: „Ich höre mir alle Ratschläge in Ruhe an, und am Ende entscheide ich. Man nennt mich nicht umsonst den Schweizer, weil ich harte Fakten produziere und zeigen werde, dass man in Neapel seriös wirtschaften kann.“

Seine kompromisslose Führung zeigte prompt ihre Wirkung und so gelang seinem Team bereits 2006 der Wiederaufstieg in die Serie B und nur ein Jahr später, als Tabellenzweiter hinter Juventus Turin, der direkte Durchmarsch ins italienische Oberhaus.

Seitdem macht Neapel vor allem durch die intelligente Transferpolitik auf sich aufmerksam. De Laurentiis zahlt keine Mondpreise. Wenn Spieler für extrem hohe Beträge verpflichtet werden, dann wurden auch Spieler für Rekordsummen verkauft – man denke nur an die Abgänge von Edinson Cavani (64,5 Mio. €) und Gonzalo Higuaín (90 Mio. €).

Bei der Kaderplanung liegt das Hauptaugenmerk darauf, Spieler zu verpflichten, die das Gehaltsgefüge nicht sprengen und den Fans als Identifikationsfiguren dienen. Ein absoluter Glücksgriff diesbezüglich war der Slowake Marek Hamsik, der als 19-Jähriger direkt nach dem Aufstieg 2007 für 5,5 Millionen Euro aus Brescia kam. Der mittlerweile 30-Jährige ist Kapitän und Gesicht des Vereins. Dem unermüdlichen Mittelfeldmotor fehlen nur noch wenige Tore, bis er Maradona als Rekordtorschützen ablöst und auch den Rekord für die meisten Spiele dürfte er über kurz oder lang knacken. Diese Art der Identifikation mit dem Verein wünscht sich De Laurentiis von all seinen Spielern: „Man muss diese jungen Schnösel lehren, dass Napoli nicht bloß Geld, sondern auch Liebe zum Trikot bedeutet.“

Angriff auf die Spitze

Gerade der in der Serie A so gefürchtete Angriff der Neapolitaner dürfte auch deshalb so stark sein, weil Spieler wie José Callejón, Dries Mertens oder Eigengewächs Lorenzo Insigne bereits seit einigen Jahren zusammenspielen und sich auf dem Platz blind verstehen. Dieses Verständnis trägt Früchte, seit 2012 ist der SSC bei den erzielten Toren immer unter den Top 3 der Serie A. Mittelstürmer Mertens erzielte letzte Saison allein 28 Tore und musste sich im Rennen um die Torjägerkrone nur Edin Dzeko vom AS Rom geschlagen geben. Im Jahr davor wurde Gonzalo Higuaín mit sage und schreibe 36 Treffern Torschützenkönig, bevor er für wahnsinnige neunzig Millionen Euro zu Juventus Turin wechselte.

Bei all den Lobpreisungen für die Offensive sollte aber nicht verschwiegen werden, dass seit dem Amtsantritt Maurizio Sarris 2015 auch die Abwehrreihe zu den drei besten der Serie A zählt. Mit den Zugängen von Vlad Chiriches, Elseid Hysaj und Torwart Pepe Reina wurde die bestehende Verteidigung um Raúl Albiol, Kalidou Koulibaly und Faouzi Ghoulam soweit verstärkt, dass Offensive und Defensive nun auf einem ähnlich starken Niveau spielen und so beste Bedingungen geschaffen sind, in der Serie A jetzt ganz oben anzugreifen.

2013 watschte De Laurentiis die gestiegene Erwartungshaltung der Anhänger noch ab: „Was zum Scheiß habt ihr denn hier beim SSC geholt? Zwei Scudetti, einen Pokal, einen UEFA-Cup? Das holen andere in zwei Jahren! Alle sollen mit den Füßen auf dem Boden bleiben, denn hier in Neapel funktioniert ein Scheißdreck!“ Mittlerweile dürfte aber auch der exzentrische Präsident davon träumen, endlich wieder Titel nach Neapel zu holen (Quote: 4.50).

 

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